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Lösungswege bei Mobbing/Konfliktbearbeitung

Mobbing/Konfliktbearbeitung

Eine offene Kommunikation am Arbeitsplatz ist eine wichtige Voraussetzung, um Mobbing zu verhindern.

Die Opfer können die Situation am Arbeitsplatz nur dann positiv beeinflussen, wenn sie sich so schnell wie möglich dieser Situation bewusst werden und sich adäquate Hilfe von außen holen. Denn: "Mobbing kann man nicht alleine lösen", sagt Arbeitsmediziner Bernd Lindemeier. Der Betroffene braucht Hilfe. Manchmal genügt es, wenn ein einziger Mensch Unterstützung anbietet. Wenn sich zum Beispiel ein Kollege beherzt dem Mobbingopfer zur Seite stellt und die anderen auf ihr Verhalten kritisch aufmerksam macht, kann die Kampagne zum Stillstand kommen. Meist ist jedoch professionelle Hilfe erforderlich.

Anlaufstellen im Betrieb

Der Betroffene kann sich an den Vorgesetzten, den Betriebsarzt, den Betriebs-/ Personalrat oder an die Geschäftsleitung wenden. Hilfreich sind diese Anlaufstellen allerdings nur, wenn sie selbst hinreichend über Mobbing informiert sind und sich dem Problem auch stellen wollen. Bernd Lindemeier: "Noch heute sehen viele in den Betrieben eher weg und leugnen Mobbing. Auch Anti-Mobbing-Vereinbarungen in Betrieben schützen nicht in dem Maße, wie man es anfangs glaubte; vielmehr werden sie, wenn sich nicht gleichzeitig die Unternehmenskultur geändert hat, vielfach gegen den Betroffenen verwandt." Auf alle Fälle sollte der Betroffene versuchen, sich nicht in die Isolation drängen zu lassen, sondern sich umgehend qualifizierte Hilfe holen.

Mobbing-Beratungsstellen

Ziel der Mobbingberatung ist es, die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit des Mobbingopfers aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen. Gute Beratung ist als Entwicklungsprozess angelegt, in welchem auch die Frage geklärt wird, ob der Betroffene in dem Betrieb bleiben soll oder nicht. Bei der systemischen Mobbingberatung wird angestrebt, dass sich alle Akteure so schnell wie möglich an einen Tisch setzen und Strategien erarbeiten, damit die Mobbinghandlungen abgestellt werden und dafür Sorge getragen wird, dass Mobbing auch in Zukunft unterbleibt. Vorrangiges Ziel dieser Beratung ist stets, dass der Betroffene seinen beruflichen und persönlichen Stil wieder findet, sich wieder als vollwertiger Mitarbeiter empfindet und seinen Weg aus der Mobbingsituation sucht.

Tipp: Keine vorschnelle Kündigung

Der Mobbingexperte Lindemeier ( Bernd Lindemeier, Leiter des Referats für Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie bei der Tiefbau Berufgenossenschaft München) weist darauf hin, dass längst nicht alle Beratungsstellen hinreichend qualifiziert sind. Manche Mobbing-Beratungsteams würden noch heute bereits am Telefon den Rat erteilen, sofort die Stelle zu wechseln. Kündigen bedeutet aber meistens für den Betroffenen, dem Arbeitgeber und Mobbern einen leichten Sieg zuzugestehen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass am nächsten Arbeitsplatz das gleiche wieder passiert, meint Bernd Lindemeier. Wenn der Betroffene gehen muss, um sich selbst zu schützen, so müsse dafür gesorgt werden, dass dies fair und unter einwandfreien Bedingungen geschieht. "Ich bin mir aber sicher, dass man unter bestimmten Voraussetzungen mit qualifizierter Hilfe Konflikte am Arbeitsplatz so lösen kann, dass dieser Mensch seinen Arbeitsplatz nicht wechseln muss."

Besser zu zweit als alleine

Bernd Lindemeier: "Oft traut sich ein Gemobbter nicht, an andere, zum Beispiel Kollegen, heranzugehen und zu sagen: Ich werde gemobbt. Eines der wichtigsten Instrumente ist aber, sich zu outen und Helfer zu suchen, die begleiten und stützen." Eine Begleitperson, zu der der Betroffene absolutes Vertrauen hat, sollte auch bei Personalgesprächen am Arbeitsplatz dabei sein oder wenn ein Gespräch zwischen Mobber und Gemobbtem ansteht. Der Mobbingbetroffene sollte sich aber sicher sein, dass sich die Begleitperson nicht von den anderen Gesprächspartnern manipulieren lässt.

Mediation - eine zügige Konfliktlösung

Neben der Gesprächsleitung durch einen Unbeteiligen Dritten ist nach Erfahrung von Bernd Lindemeier auch die Einbeziehung eines Juristen hilfreich. Die Aufklärung über seine rechtlichen Möglichkeiten stärke den Betroffenen. Allerdings, so der Mobbingexperte, ist nicht jeder Fachanwalt für Arbeitsrecht geeignet. Denn nach seiner Erfahrung besitzen nur wenige Anwälte Spezialkenntnisse über das Thema Mobbing.

Rechtsanwälte - Hilfe bei Mobbing: www.mobbing-rechtshilfe.de

Dokumentation ist wichtig

Von äußerster Wichtigkeit ist nach Ansicht von Bernd Lindemeier eine genaue Dokumentation der Mobbinghandlungen. Spätestens, wenn davon auszugehen ist, dass die Auseinandersetzungen vor Gericht enden werden, rät der Mobbingexperte dazu, ein detailliertes Tagebuch zu führen, auf das später zurückgegriffen werden kann.

Quelle: www.br-online.de